SC Cham Interaktiv

Matchcenter

06.08.2022
17:30
2
O
Kleinfeld, Kriens
Zuschauer: 1150
SR: Schmölzer
Tore: 32. Pauli 1:0. 57. Hermann 2:0.
Kriens: Hunn; Suter, Bühler, Isufi; Aversa; Bender, Rüedi (78. Huruglica), Hermann, Pauli (62. Thiam); Gjidoda, Wicht (71. Hoxha).
Cham: Von Arx, Künzli, Zimmermann (54. Solimando), Röthlisberger; Tschopp, Balaj, Loosli, Thöni (81. Pasquarelli); Costa (66. Lugo); Siegrist, Wiskemann.
Bemerkungen: Kriens ohne Riedmann, Saglam und Sukacev (alle verletzt). Cham ohne Follonier und Molliqai (beide verletzt), Fäh (krank), Wiss, Miranda und Niederhauser (alle abwesend). 89. Tor von Gjidoda wegen Abseits aberkannt. Verwarnungen: 38. Isufi, 67. Wicht, 73. Solimando (Fouls), 92. Huruglica (Unsportlichkeit), 92. Tschopp (Unsportlichkeit).

Beide mit harten Bandagen – Kriens führt die feinere Klinge und gewinnt 2:0

Spannender Start in die Promotion-League-Fussballsaison: Kriens erkämpft und erspielt sich im Derby gegen Cham einen 2:0 (1:0)-Sieg.

Kriens hat im ersten Spiel der neuen Saison gleich mal die Stärkeverhältnisse geklärt: Der 2:0-Sieg des SCK geht in Ordnung, ist verdient. Doch weit weg sind die Chamer nicht. Beide Teams leisteten einen hohen physischen Einsatz, führten harte Zweikämpfe. Spielerisch durfte sich das nach dem Abstieg aus der Challenge League kommende Heimteam ein paar Pluspunkte notieren lassen. Und vor allem: die ersten drei Punkte. Die Gäste aus Cham traten allerdings von Beginn weg ohne Respekt auf. «Wir haben vor allem eine gute erste Halbzeit gezeigt», sagte später Roland Schwegler, der Trainer der unterlegenen Mannschaft. Die ersten zwei richtigen Strafraumszenen hatten aber die Krienser: Zuerst mit einem Versuch einen Fallrückziehers von Célien Wicht (16.), dann mit einem (ungefährlichen) Schuss von Patrik Gjidoda (24.).

Doch das Zuger Team aus Cham blieb aufsässig und unberechenbar. Nur der spielerischen Genauigkeit im Offensivspiel blieb es geschuldet, dass der neue Kriens-Stammtorhüter Lars Hunn nicht viel Arbeit bekam. Bei den Kriensern war wie erwartet Captain Mario Bühler nicht nur Abwehrchef, sondern Teamleader mit entsprechender Körpersprache. Erstaunlich: Der SCK zeigte im ersten Ernstkampf schon ein ziemlich gutes Zusammenspiel mit teilweise schönen Ballstafetten. Weit weg ist die letzte Saison, als Ballverlust um Ballverlust im Zentrum stand. Bei den Gästen aus Zug war Marin Wiskemann im Sturmzentrum auffällig, aber ohne genügend Zuspiele und Unterstützung. Hinter ihm sorgte Esat Balaj mit seinem Körpereinsatz und seiner Zweikampfstärke für Härte im Mittelfeld. Nach einer halben Stunde gab es dann auch die ersten Unstimmigkeiten an der Seitenlinie, als Cham-Trainer Schwegler den Ball dem Krienser Spieler etwas gar scharf für den Einwurf zuwarf. Die Reklamation von Kriens-Trainer Sven Lüscher folgte prompt.

Die Krienser Führung in der 32. Minute war sicherlich verdient, denn der SCK hatte das genauere und deshalb gefährlichere Offensivspiel präsentiert. Als Yannick Pauli in der linken Strafraumhälfte den aufsetzenden Ball direkt aufs Cham-Tor schlug und dieser schliesslich unhaltbar im Netz landete, war der Jubel beim Heimteam und seinen Anhängern gross. Der letzte Sieg im Kleinfeld liegt schon eine Weile zurück. Die Chamer Abwehr hatte sich in dieser 32. Minute erstmals nicht sattelfest gezeigt. Dass es in diesem Derby mit ziemlich harten Bandagen zur Sache ging, unterstrich auch ein Zweikampf in der 52. Minute. Chams Nando Zimmermann musste daraufhin mit einer Platzwunde an der Schläfe vom Feld.

Chamer unzufrieden mit der Anzahl Transfers
Für Diskussionsstoff sorgten vor dem ersten Anpfiff auch die Transfers zwischen den beiden Derby-Kontrahenten. Nicht weniger als acht (!) Spieler des SC Cham tauschten in der Sommerpause das Trikot und tragen nun jenes des SC Kriens. «Dass gleich so viele Spieler auf einmal wechselten, war dann doch überraschend», sagte Cham-Trainer Schwegler im Vorfeld der Partie. Cham-Sportchef Marcel Werder wurde da schon konkreter: «Man muss zwar jeden einzelnen Wechsel für sich betrachten. Es gibt Spieler, von denen wir uns sowieso getrennt hätten. Und es gibt Spieler, bei denen ein Wechsel nach Kriens Sinn macht. Aber acht Spieler, das ist schlicht zu viel, das hat einen faden Beigeschmack.» Nicht überraschend deshalb, dass auf der Homepage des SC Cham zu lesen stand, dass sich in Kriens eigentlich fast zwei Chamer Mannschaften gegenüberstehen würden.

Julian Hermann sichert Kriens mit dem 2:0 den Sieg
Nicht überraschend deshalb auch, dass beim 2:0 für den SC Kriens schon wieder ein Torschütze notiert wurde, der letzte Saison noch für den Gegner gespielt hatte. Es war ein schönes Tor, das der Challenge-League-Absteiger in der 57. Minute seinem Kleinfeld-Publikum bot. Marco Rüedi eroberte im Mittelfeld den Ball, und Stürmer Gjidoda passte danach auf Julian Hermann. Der Ex-Chamer baute die Krienser Führung souverän aus. Die Zuger versuchten in der letzten halben Stunde, den Anschlusstreffer anzustreben. Es blieb bei Versuchen. «Wir haben in der Defensive nicht viel zugelassen», bilanzierte Kriens-Captain Bühler hinterher. «Wir haben von Beginn weg gezeigt, dass wir diesen Heimsieg im ersten Spiel wollten. Der schöne Führungstreffer war für uns der Dosenöffner, hat viel Druck weggenommen.»

Kriens erarbeitete sich 18 Eckbälle
Für den neuen Kriens-Trainer Sven Lüscher war es «ein völlig verdienter Sieg. Es war kein einfaches Spiel für uns. Aber wir haben bereits gezeigt, was für uns möglich ist.» Neben dem 2:0-Schlussresultat stand am Schluss ein Eckball-Verhältnis von 18:3 für Kriens zu Buche. Umgerechnet heisst das, dass der SCK alle fünf Minuten einen Corner ausführen konnte. Diese Zahlen sprechen ebenfalls klar für den Sieger dieser Partie. «Kriens hat verdient gewonnen, weil es weniger Fehler gemacht hat», musste auch Chams Offensivmann Nico Siegrist, ehemaliger Krienser Challenge-League-Torschützenkönig, eingestehen. Siegrist weiter: «Wir haben uns zwei kapitale Fehler geleistet. Danach war bei uns die Luft draussen.»

Für Kriens ist dieses Erfolgserlebnis im Startspiel und nach einer äusserst erfolglosen Zeit enorm wichtig. Aber auch die Chamer vermochten teilweise zu überzeugen, vor allem im Zweikampfspiel. Den Zugern fehlte am Samstagabend die spielerische Durchschlagskraft. Vielleicht dann in zwei Wochen im Cup-Hit gegen den Schweizer Meister FC Zürich?

Turi Bucher Luzernerzeitung

Fotos: Reto Müller