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Udo du bist nun beinahe das halbe Fussballerleben beim SC Cham. Sechseinhalb Jahre als Spieler und nun geht’s in die siebte Saison als Trainer. Dein Palmàres darf sich sehen lassen. Einmal in den Aufstiegsspielen leider gescheitert beim nächsten Anlauf dann aber reüssiert. Seither die nun vierte Saison in der dritthöchsten Liga der Schweiz.
 
Da erübrigt sich die Frage ob es dir gefällt. Du hättest sicher andere Möglichkeiten. Was war deine Motivation erneut in Cham zu verlängern.
Der SC Cham ist ein sehr ambitionierter Verein mit grosser Konstanz und trotzdem familiär. Man schätzt die Möglichkeiten sehr realistisch ein und verlangt keine unmöglichen Dinge.

Hauptberuflich bist du Sportlehrer an der Kanti Musegg. Welche Diplome hast du im Fussball.
Das A- Diplom. Mit diesem darf ich bis 1. Liga Promotion trainieren.

Arbeitest du auch als Instruktor.
Ja ich bin in der Trainerausbildung tätig und gebe Kurse für junge Traineraspiranten die das C-Diplom absolvieren.

Mit dieser Ausbildung könntest du auch beim Verband arbeiten. Reizt dich das nicht.
Ja ich könnte Mannschaften bis U-21 trainieren. Ich hatte mal Gedanken in diese Richtung. Das Herz könnte sich das vorstellen – der Verstand jedoch sagt nein. Ich habe einen wunderbaren Job, mit Cham darf ich einen Toppverein trainieren und das alles ist mit der Familie gut vereinbar. Mein momentanes Package befriedigt und fordert mich voll und ganz.

Wie sieht es aus bezüglich Trainer Challenge League oder Super League. Sind die dafür nötigen Diplome mittelfristig Thema für dich.
Momentan nicht. Wie gesagt ich bin in der jetzigen Situation genug gefordert, denn die Promotion League wird immer anspruchsvoller.

Anspruchsvoller in wie fern.
Es geht immer mehr in Richtung Professionalisierung. Wir hier in Cham müssen uns nach der Decke strecken, um in dieser Liga spielen zu können. Seriöse und leidenschaftliche Arbeit ist gefragt um den Ligaerhalt zu schaffen, während andere Vereine mit dem Portemonnaie argumentieren können. Das heisst den vorhandenen Kader so weit zu bringen, dass wir auch ohne Profitum mithalten können.

Es scheint in dieser Liga Usus zu sein, dass man jeweils zum Ende respektive zu Anfang Saison mit grossen Fluktuationen leben muss. Ist das nicht irgendwie frustrierend.
Das ist Fakt und mit dem muss jeder Trainer umgehen können. Die Liga ist einerseits Sprungbrett für die Challenge League, andererseits auch sehr aufwändig für die Amateur-Spieler. Da ist es normal, dass sich die Spieler jedes Jahr wieder von neuem überlegen, wo sie die nächste Saison spielen wollen.  Hier in Cham herrscht aber eine gewisse Konstanz haben wir doch einige Spieler die nicht nur eine Saison da sind. Das spricht auch für den Verein.

Da du nun in die siebte Saison gehst kannst du bezüglich Trainingsgestaltung aus dem Vollen schöpfen. Wie in einer Kantine die Menüpläne der Vorjahre hervornehmen und damit hat sich’s.
Nein, ich plane die Trainingswochen immer wieder neu. Meine Trainings sind nicht abgespeichert. Ich halte zwar jedes Training schriftlich fest, die Notizen wandern nach dem Training aber ins Altpapier. Ich will jedes Mal wieder von neuem überlegen, welche Trainings in der jeweiligen Woche für das Team gerade am besten sind. Klar werden wichtige und bewährte Übungseinheiten in der einen oder andern Form im Programm bleiben.

Hast du bei der Kaderzusammenstellung ein Mitspracherecht
Das klappt sehr gut mit dem Sportchef Marcel Werder. Die meisten Spieler kennt man von der Liga her. Hier geht es darum ob sie dazu passen oder eben nicht, weniger bekannte werden getestet. Die Hauptarbeit macht aber schon der Sportchef, er hat mittlerweile ein riesiges Netzwerk und viel Know how. Er sondiert den Markt unermüdlich, das ist ein unglaublich aufwändiger Job und für den SC Cham ein Glücksfall. Nicht zu unterschätzen ist der Teammanager Walter Riedweg. Walti kann den Spielern sein immenses Herzblut für den Verein imposant darlegen und er kann den Sportclub Cham sehr gut repräsentieren.

Die neue Saison beginnt. Was sind die Ziele.
Möglichst schnell Punkte sammeln damit wir nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Ich glaube an die Mannschaft. Für ganz nach vorne müssten wir eine unheimliche Serie am oberen Limit unserer Fähigkeiten hinlegen. Unsere Liga ist eine sehr anspruchsvolle. Sie ist doch einiges stärker einzustufen als die erste Liga.

Welches sind deine Favoriten.
Eindeutig Köniz und Nyon. Die wollen aufsteigen. Auch Yverdon hat in der Transferzeit schön Gas gegeben.

Sind eigentlich in deiner Familie alle vom Fussballvirus befallen.
Mein siebenjähriger Sohn Aenea total. Die elfjährige Alicia nun auch nachdem sie zuvor Gerätturnerin war. In einer Mannschaft fühlt sie sich wohler. Meine Frau Sonja jedoch nicht. Sie unterstützt aber uns alle und akzeptiert, dass wir von diesem Virus befallen sind. Dank ihr dreht sich aber bei uns nicht alles nur um Fussball. Für mich ist sie ein Glücksfall.

Woher kommt eigentlich der Übernahme Udo.
Den hat mir ein Schulkollege im Alter von ca. 15 Jahren verpasst...eine spezielle Geschichte: Sie haben mich wegen den blonden Haaren in Anlehnung an Jürgen Klinsmann Jürgen genannt. Und dann «17 Jahr, blondes Haar»...von Udo Jürgens. Ich habe mich nicht sofort gewehrt gegen diesen Namen, und schon begleitet er mich mittlerweile 25 Jahre.

Udo ich danke dir für deine Offenheit und wünsche dir, dem ganzen Staff und natürlich der Mannschaft eine erfolgreiche Saison.

Interview: Hans-Peter Lerch