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Auf Beginn der neuen Saison wechselt die zwölfeinhalbjährige Lia Kamber vom SC Cham ins Ausbildungszentrum des SFV nach Biel. Den gleichen Schritt hatte vor rund 15 Jahren auch die 67-fache Internationale Sandra Betschart gewagt, damals aber noch ins Ausbildungszentrum Huttwil. Sie wagte damit den ersten bedeutenden Schritt in eine grosse Karriere im Frauenfussball. Die beiden trafen sich in der fussballlosen Sommerzeit zu einem Erfahrungsaustausch im heimischen Eizmoos.

Genau vor diesem Schritt steht nun auch Lia Kamber. Als erfolgreiche Verteidigerin bei den E-Junioren des SC Cham fiel sie in der Elitekategorie und in den Auswahltrainings des Verbandes durch ihr grosses fussballerisches Talent, ihre Physis und ihren enormen Willen positiv auf. Nun wechselt sie nach Biel, wohnt in einer Gastfamilie und trainiert unter professionellen Bedingungen im Ausbildungszentrum des SFV in Biel. Dabei handelt es sich um die Talentschulung für den Nachwuchs des Schweizer Frauenfussballs, die ein Grossteil der Nationalspielerinnen und der Spielerinnen der Nachwuchsnationalmannschaften durchlaufen haben oder noch absolvieren. Ihre Spielerfahrung sammelt sie vorderhand übers Wochenende bei den Junioren im Team Zugerland.

Interessante Parallelen
Sandra Betschart ihrerseits trainierte und wohnte ab dem 14. Altersjahr in Huttwil und spielte beim damaligen Leader in der Region, dem DFC Malters, bevor sie nach Zürich wechselte. Sie bezeichnet diese Ausbildungszeit auch heute noch als eine ihrer besten Erfahrungen im Fussball. Die jungen Fussballerinnen wurden schnell Freundinnen. Sie haben gemeinsame Ziele verfolgt und sich unterstützt. Sie waren sich eine Art Ersatzfamilie, haben miteinander Hochs und Tiefs durchlaufen, sich gefreut und gelitten.  Ab und zu haben sie auch über die Stränge gehauen, sich gegen Erwachsene verbündet. Und sie haben dabei auch sehr viel gelernt und für den Sport und auch fürs Leben profitiert. Genau diese guten Erfahrungen wünscht Sandra Betschart nun zum Start Lia Kamber.

Talent ist nicht alles
Als dreifache Meisterin mit dem FC Zürich, Halbprofi in Schweden und in der Deutschen Bundesliga sowie 67-fache Internationale mit EM- und WM-Erfahrung weiss Betschart, auf was es ankommt: Nebst Talent braucht es die Freude am Fussball und ganz besonders viel Durchhaltewille, wenn man den Sprung an die Spitze schaffen will. In jedem Training und Spiel das Beste geben, noch etwas mehr machen als Andere und perfektionistisch an seinen Fähigkeiten arbeiten, lautet ihr Rezept, immer vorausgesetzt, die Freude ist mit dabei. Als bestes Beispiel dafür nennt sie Ronaldo, der zusammen mit Griezmann auch Lias grosses Vorbild ist.

Für Beide ein Neustart
Lia Kambers Weg beginnt mit vielen guten Vorsätzen und Visionen. Sie ist bereit, dafür viel zu investieren und bringt auch die notwendigen Voraussetzungen mit sich. Sie freut sich auf ihren nächsten Lebensabschnitt, hat aber durchaus auch Respekt vor den Veränderungen, die auf sie zukommen. Sandra Betschart ihrerseits hat es geschafft und hat als ehemalige Chamer Juniorin deutliche Spuren im Schweizer Fussball hinterlassen. Eine chronische Entzündung der Patellasehne hat sie vor einem Jahr zum Rücktritt vom Spitzenfussball veranlasst. Wer die sympathische junge Frau, ihre vielseitigen Kompetenzen und ihren grossen Willen kennt, weiss, dass sie auch nach ihrer Aktivzeit erfolgreich unterwegs ist. Sie arbeitet heute in einem Teilpensum bei der Firma Adidas in Cham als Managerin «Whole Sale Activation» und beginnt in diesem Sommer berufsbegleitend mit einem Studium im Bereich Sportmanagement.  Fit hält sie sich mit Beachvolley, Klettern, Langlauf und polysportiven Aktivitäten.

Text und Fotos: André Dommann